Jenseits des ITBH?

schielein_body_music_2018

Wenn beim Zerreißen von Papier Musik entsteht oder ein T-Shirt zum Instrument wird, dann arbeite ich nicht als Kommunikationsdesignerin für das ITBH, sondern als freischaffende Klangkünstlerin. Denn nach meinem Diplom als Kommunikationsdesignerin an der FH München absolvierte ich ein Diplom für bildende Kunst und Sound an der HFBK Hamburg. So kommt es, dass ich neben meiner Arbeit an der TUHH und dem Projekt der Hamburg Open Online University (HOOU) in Galerien ausstelle oder als Komponistin Musik erfinde.

Ein Bericht von Dorothee Schielein

Im Januar 2018 wurde ich zu einer Einzelausstellung im Saarländischen Künstlerhaus eingeladen und konnte für das Studioblau drei Arbeiten entwickeln. Der Ausstellungstitel kratzen, schaben, schubbern beschreibt auf lautsprachlicher Weise meine Faszination für den Klang des Alltäglichen. Gleichzeitig sind diese Verben Aufforderungen zum Handel. Den Installationen gemeinsam ist also die inhärente Einheit von Sehen, Hören und Handeln.

»Die Tatsache, dass Musik prinzipiell unmittelbar mit dem Körper, mit Handlung verbunden ist, wird in den Arbeiten nicht nur sichtbar, sondern auch fühlbar, in dem Moment, in dem wir von Betrachtenden zu Handelnden transformiert in den künstlerischen Prozess eingebunden sind.« (Gardener, BG 2015: Rede zur Eröffnung der Ausstellung. Dodo Schielein: Stille Musik, im Einstellungsraum Hamburg e.V., http://www.dodoschielein.de/rede_gardener/)

Die ausgestellten Klangkunstarbeiten geben den Besucher*innnen drei unterschiedliche Perspektiven, diese Kunst selbst zu erfahren.

Für die Installation rascheln (2012/2015) bilden zwölf Blätter aus handgeschöpftem Papier mit unterschiedlicher Struktur und Oberflächenbeschaffenheit eine Wandkomposition, in die winzige Tonabnehmer (Piezos) eingeschöpft sind. Die Besucher*innnen sind aufgefordert, die Papiere zu ertasten, um über Kopfhörer die klanglich verstärkte Bewegung der eigenen Berührung zu hören.

Bei paper music #3 (2018) können die Ausstellungsbesucher Papierbögen mithilfe der aufgedruckten Handlungsanweisungen (Partitur) zerreißen und dem entstehenden Papierklang lauschen. Im Anschluss bleibt die verklungene Musik als Erinnerung und in Form des zerknüllten Papiers am Boden sichtbar liegen.

Die dritte Arbeit body music (2018) wiederum, nutzt Methoden aus dem Genre der Body Percussion, indem rhythmisches Stampfen, Klatschen, Reiben und Klopfen auf dem eigenen Körper Musik entstehen lässt. Der Körper dient dabei als Instrument und Resonanzkörper. Die Arbeit body music, bestehend aus einem T-Shirt, welches mit sechs unterschiedlichen Stoffen benäht wurde, erweitert das Klangspektrum der Body Percussion um weitere facettenreiche Klänge. In einem Video wird eine beispielhafte musikalische Performance demonstriert und zugleich das neue Instrument erprobt.



Welchen Einfluss hat nun die Klangkunst auf das ITBH?

Hauptsächlich prägt das künstlerische Denken mein Selbstverständnis, Themen und Aufgaben immer wieder inhaltlich zu hinterfragen, um die best mögliche Lösung zu finden. In der Lehre unterstützt mich diese Kompetenz dabei, Lehramtsstudierende zu befähigen, für Ihre Projekte kreative Wege zu gehen, um Neues zu schaffen. Die Studierenden lernen u. a. individuelle Lernmaterialien zu erstellen und einfallsreiche Methoden zu wählen und im Unterricht anzuwenden.

Für die Hamburg Open Online University konnte ich meine künstlerische Kompetenz nutzen, indem ich ein Sounddesign entwickelte, das für die Projektvideos eingesetzt wird.

Die Möglichkeiten, meine Kompetenzen in dieser vielfältigen Gestalt anwenden zu können, ist für mich ein großes Geschenk und bietet mir für die Zukunft noch Gelegenheiten, weitere Ideen in Lehre und Forschung umzusetzen.



Weitere Infos unter: http://www.dodoschielein.de

Ausstellungsdauer: 18. Januar bis 11. März 2018
Saarländisches Künstlerhaus Saarbrücken e.V.
http://www.kuenstlerhaus-saar.de

Zur Ausstellung erschien ein Katalog, der hier als PDF heruntergeladen werden kann.