Open Learning in den USA

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Vom 03.10.-14.10. haben Prof. Dr. Sönke Knutzen, zusammen mit seinen Mitarbeiter_innen Axel Dürkop und Dr. Tina Ladwig verschiedene Universitäten in New York Providence und Boston besucht - darunter zum Beispiel die NYU, Columbia, Brown, Harvard, MIT und das MIT Media Lab.

Ziel der Reise war es, Einblicke in die Auseinandersetzung amerikanischer Universitäten mit den Themen Open Education, Digitalisierung und das Lehren und Lernen im Internet zu gewinnen. Entsprechend wurden verschiedene Akteure sowohl auf operativer als auch strategischer Ebene interviewt, wie Potenziale lose gekoppelter Tools in formellen als auch informellen Lehr- und Lernprozessen entfaltet und ausgeschöpft werden können.

New York University (NYU)

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So vielfältig die Fragestellung, so divers waren auch die Gesprächspartner. An der NYU stand Alex Ruthman, Initiator von Play With Your Music (http://www.playwithyourmusic.org) Rede und Antwort. Ruthman betonte insbesondere die Rolle von Netzwerken und Communities für informelle Lernprozesse. Darüber hinaus reflektierte er auch über den Einfluss von offenen Organisationsstrukturen an Bildungsinstitutionen und deren Mehrwert für die Gestaltung offener Lehr-Lernprozesse.


New York Graduate Center

Cathy Davidson, Director of the Futures Initiative am Graduate Center der City University of New York, reflektierte insbesondere über die Rolle von Universitäten im Zeitalter der Digitalisierung. Sie stellte die Frage in den Mittelpunkt, welche Kompetenzen unsere Studierenden haben sollten, um aktiv die Gesellschaft und somit auch ihre Zukunft mitgestalten zu können. Ähnlich wie auch Ruthman wurde sehr deutlich, dass es darum geht, Räume zu schaffen, die Studierende aktiv nutzen können, um frei denken und handeln zu können, aber sie auch entsprechend zu motivieren, diese Freiheiten zu nutzen.


Columbia University

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Weitere Gesprächspartner in New York waren Sandesh M. Tuladhar und A. Mauricio Matiz vom Columbia Center for Teaching and Learning. Ähnlich wie das Zentrum für Lehre und Lernen an der TUHH haben auch sie sich zum Ziel gesetzt, innovative Lehrformen sowohl in die Präsenz- als auch in die Online-Lehre zu integrieren.


Brown University


An der Brown University in Providence haben sich viele Werte der Universität durch die Architektur und die Gestaltung des Campus und der Lehr-Lern-Räume transportiert. Hier lag ein wesentlicher Fokus auf der Vernetzung der einzelnen Fachdisziplinen und auf der Stärkung des Miteinanders an der Universität. Bemerkenswert war auch, wie selbstverständlich ein Recycling- und Kompostkonzept in den Räumen der Universität implementiert war, vielleicht auch deshalb, weil Müllvermeidung und Wiederverwertung in Amerika immer noch nicht überall angekommen ist.


Boston

Mit diesen bereits beeindruckenden Erfahrungen ging es dann weiter nach Boston, wo Besuche des MIT, des MIT Media Lab, des Campus von Harvard sowie edX stattfanden. edX, eine Plattform die aus der Kooperation zwischen Harvard University und dem MIT im Jahr 2012 hervor gegangen ist und Online-Kurse namhafter Universitäten weltweit anbietet. Es war uns auch hier möglich, Interviews mit Mitarbeiter_innen von edX aus verschiedenen Zuständigkeitsbereichen zu führen und detaillierte Einblicke in die Softwareentwicklung und Teamkollaboration zu erhalten.


Micromaster von edX

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edX spielt auch innerhalb des MIT eine bedeutende Rolle. So absolvieren 95% der MIT-Erstsemestler 25% ihrer Kurse online. Möglich ist dies, weil die digitalen Angebote vollständig anerkannt werden und alternativ zur Präsenz besucht werden können. In diesem Zusammenhang haben Harvard und MIT für edX auch einen neue Form der Zertifizierung von online erworbenen Leistungen erfunden, den Micro Master. Er umfasst nicht die volle Qualifikation eine Masters, ermöglicht aber das Präsenzstudium am MIT bei voller Anrechnung der erworbenen Creditpoints. Diese Tendenz hin zur Online-Lehre wird am MIT nicht nur positiv gesehen. Diesbezüglich wurde geäußert, dass die Erfahrung, zwei Jahre auf dem MIT Campus studiert zu haben, durch die online gemachten Erfahrungen nicht zu ersetzen sei.


MIT Media Lab

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Der Besuch am MIT Media Lab, einem Institut des MIT, brachte in vielerlei Hinsicht Einblicke in eine sehr andere und bemerkenswerte Auffassung von Lehre und Forschung. Angefangen bei der Architektur des Gebäudes, ermöglichen offene Glaswände Einblicke in die Arbeit der zahlreichen Forscher_innengruppen. Diese Transparenz befördert den Austausch des auf Interdisziplinarität angelegten Instituts, erweist sich aber auch als problematisch, weil Forschungsfortschritte und -ergebnisse offen einsehbar sind. Daher ist das Filmen und Fotografieren ab der zweiten Etage auch verboten.

Verschiedene Forscher_innengruppen teilen sich hohe großflächige Räume und sind absichtlich mit sehr unterschiedlichen Themenfeldern nebeneinander angesiedelt. So sollen sie sich gegenseitig im Denken und Handeln inspirieren und einen Austausch über ihr Spezialgebiet hinaus pflegen. Es wurde sehr deutlich, dass Offenheit im Lernen und Forschen schon bei der Architektur anfängt.


Lifelong Kindergarten Group

Im Fokus des Besuchs am MIT Media Lab standen Einblicke und Gespräche mit der Forschungsgruppe Lifelong Kindergarten Group und hier besonders mit der Media Lab Learning Initiative unter Leitung von Philipp Schmidt. Schmidt forscht mit seiner Gruppe zu freien, offenen, kreativen und kollaborativen Lernformen und hat in der Vergangenheit u.a. die Online-Angebote Learning Creative Learning, Play With Your Music (s.o.) sowie die Browsersoftware Unhangout hervorgebracht. Er gewährte uns weite Einblicke in die Ansätze der Gruppe und stellte zahlreiche Kontakte zu Forscher_innen im Umfeld des Lab her. So war es uns möglich, mit Justin Reich vom TSL zu sprechen wie auch mit Eric Klopfer von der MIT Scheller Teacher Education Program. Katherine McConachie und Yumiko Murai, die mit der Weiterentwicklung von Unhangout sowie der Portierung von Learning Creative Learning ins Japanische betraut sind, standen ebenfalls für Fragen zur Verfügung. Andrew Sliwinski, der mit der Weiterentwicklung von Scratch beschäftigt ist, nahm sich ebenfalls Zeit für ein ausführlicheres Gespräch über offene Ansätze des Lernens mit aktuellen digitalen Medien. Eric Rosenbaum, dem Entwickler des Makey Makey, konnten wir das Feedback geben, dass seine Entwicklung auch in unserer Lehre zum Einsatz kommt.

Die Lifelong Kindergarten Group hat unter der Leitung von Mitchel Resnick in der Vergangenheit so namhafte Produkte wie Scratch und Lego Mindstorms hervorgebracht.


Der Campus von Harvard


Der Besuch auf dem Campus von Harvard war angesichts der altehrwürdigen Gebäude sehr beeindruckend, beschränkte sich aber hauptsächlich auf eine Besichtigung von außen. Einblicke in die inneren Zusammenhänge von Harvard gewährte uns Jason Towne, der sich mit viel Fleiß und Ehrgeiz und auf sehr kreative Weise den Zugang zu Harvard erarbeitet hat. Nach seinem Abschluss hat er sich seine eigene Stelle als Berater im Bereich der Hochschuldidaktik geschaffen und verknüpft sein Knowhow aus betriebsiwrtschaftlichen Zusammenhängen mit der Bildungsstrategie von Harvard.


Fazit

Ziel der Forschungsreise war es, mit Expert_innen aus dem Bereich der digital gestützten Lehre in den direkten Austausch zu treten, Erfahrungen zu teilen sowie Arbeits- und Wirkungszusammenhänge direkt vor Ort kennen zu lernen. Aus den Gesprächen und Beobachtungen wurde deutlich, dass

  • unterschiedliche Finanzierungsformen das System prägen,
  • freie und offene Innovationen eine nachhaltige Förderung und Finanzierung brauchen, wenn man mit ihnen langfristige Lösungen für Lehre und Forschung an Hochschulen erarbeiten will
  • Auffassungen über das Lernen der Zukunft stark zwischen sehr freien und offenen Ansätzen und standardisierten Angeboten divergieren

Wir haben die Forschungsreise auf vielen Ebenen als Inspiration und Bereicherung empfunden und freuen uns, wenn sich der Austausch aufrecht erhalten lässt.