Impulsvortrag zum Forschenden Lernen von Prof. Knutzen

hrk_nexus_05-2016

In Studiengängen, die seit der Bologna-Reform nach dem BA- und MA-Modell konzipiert sind, wird über die Förderung wissenschaftlicher Fachexpertise hinaus explizit auch die Förderung von Employability und Citizenship angestrebt. Dieses umfassende Leitbild für universitäre Bildung basiert auf einem humanistischen Ideal, in dem Erkenntnisinteresse und Persönlichkeitsentwicklung durch Forschung im Mittelpunkt stehen.

Diesem Ideal folgend soll universitäre Lehre nicht nur ausbilden, sondern vor allem auch die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten zur Teilnahme an Prozessen der Forschung vermitteln. Forschung soll sich somit nicht abgelöst von Lehrveranstaltungen vollziehen, sondern vielmehr neue Erkenntnisse, Verfahren und Forschungsmethoden erarbeiten, die dann unmittelbar in die Lehre einfließen. Die Rolle der Lehrenden bzw. der Professorinnen und Professoren ist es, diese Einheit von Forschung und Lehre zu realisieren und die eigene Forschung zum Gegenstand von Lehre zu machen. Gemeinsam mit den Studierenden – so die Idealvorstellung – vollzieht sich dabei der Forschungs- und Erkenntnisprozess.

Da die Forschungs- und Wissenschaftsorientierung eine kritisch-konstruktive Entscheidungsfähigkeit und Urteilskraft fördern, die auch außerhalb wissenschaftlicher Kontexte in beruflichen Zusammenhängen eine erfolgreiche Praxis ermöglicht, trägt dieser Ansatz per se auch zur Beschäftigungsfähigkeit bei. Wissenschaftsorientierung ist dann nicht als Exklusivleistung zu verstehen, die der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses vorbehalten bleibt, sondern ein grundsätzliches Qualifizierungsziel für alle, das sich in der Entwicklung einer reflexiven Haltung und der Persönlichkeitsbildung durch Konfrontation mit Forschung ausdrückt. Der Ansatz des Forschenden Lernens bildet in diesem Kontext den methodischen Zugang zur Einbindung von Forschung in Lehr- und Lernprozesse auf verschiedenen Ebenen. Er steht für kooperatives Bemühen der Lehrenden und Studierenden um Genese, Diskussion und Reflexion von Forschungsergebnissen.


Die TUHH ist am 23.6.2016 Gastgeber für den „Runden Tisch der Ingenieurwissenschaften“, ein Projekt der Hochschul-Rektoren-Konferenz HRK.